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Stoffe, die die Entzündung behandeln
 

Medikamente, die entzündungshemmend wirken und damit nur indirekt und längerfristig zur Linderung der Atemnot beitragen können, sind die zweite Säule der COPD-Behandlung. Hier gibt es eigentlich nur eine wirklich wichtige Stoffgruppe, die Corticosteroide, besser bekannt als Cortison.
Dies allerdings in verschiedenenen Formen: als inhalierbares Medikament, als Tabletten und als Spritzen/Infusionen.
Und dann gibt es noch ein paar Worte zu den młglichen Alternativen...
Hier können Sie wieder die entsprechenden Unterkapitel anwählen:

  1. Allgemeines zum Cortison
  2. Cortison zum Inhalieren
  3. Cortison zum Schlucken und Spritzen
  4. Alternativen zum Cortison?


Letzte Aktualisierung dieser Seite: 20.12.2008

Medikamente gegen Atemnot - entzündungshemmende Substanzen

Cortison - weder Teufelszeug noch Wunderdroge!

Jetzt kommen wir zu einem ganz "heißen" Thema: Cortison (es gehört chemisch zu den Steroidhormonen). Hier scheiden sich bekanntlich die Geister, und der oben erwähnte Zwiespalt dürfte das ganz gut zum Ausdruck bringen. Dabei ist es letztlich gar nicht so kompliziert, wenn man das Wissen über diesen Stoff mal zusammenfasst. Und das ist auch wichtig so.
Denn bei allem Für und Wider, eine wirkliche Alternative zu diesem Medikament gibt es bis heute (leider) nicht, es hat schon vielen Menschen das Leben gerettet, und viele würden ohne Cortison zumindest kein bisschen Lebensqualität mehr haben - und Leben ohne Lebensqualität - das weiß heute jeder - ist nicht unbedingt ein wünschenswerter Zustand. Das muss man im Vorfeld dieser Diskussion schon mal bedenken. Ganz davon zu schweigen, dass nicht wenige Menschen mit Atemwegserkrankungen ohne Cortison gar nicht mehr am Leben wären. Denn das eine sollte man immer bedenken, man kann an diesen Krankheiten auch ganz akut oder aber auch quälend langsam sterben!

Um es vorweg zu nehmen, Cortison ist keines von beidem: weder Teufelszeug noch Wunderdroge! Auch wenn es manchmal so scheinen mag. Es ist ein stark wirksames - und wie gesagt oft lebensrettendes - Medikament, es ist ein in unserem Körper wichtiges Hormon, es hat eine wichtige therapeutische Wirkung - und zahlreiche unerwünschte Wirkungen, bekannnt - und gefürchtet - als Nebenwirkungen. Wenn man dies weiß und berücksichtigt, kann man damit viel Gutes tun und viele Probleme vermeiden. Deshalb jetzt hier einige Fakten und Erfahrungen.

Entzündungshemmung

Die wichtigste Eigenschaft des Cortisons ist seine Fähigkeit, Entzündungsprozesse (unabhängig von ihrer Ursache!) zum Abklingen zu bringen, d.h. überall in der Medizin, wo es um Entzündung geht, kann Cortison hilfreich sein. Da, wo die Ursache der Entzündung bekannt ist (z.B. Infektionen (Bakterien, Viren, Pilze), Allergien, Reizstoffe und Gifte usw.), sollte aber an erster Stelle die Vermeidung bzw. Bekämpfung dieser Ursache stehen - soweit dies praktizierbar ist.
Da dies aber leider nicht immer möglich ist und wir ja gelernt haben, dass die Grundstörung bei der COPD eine chronische Entzündung der Atemwege ist, kann hier Cortison zeigen, was es kann.

Leider hat diese Substanz, als Medikament eingenommen, eine ganz Reihe unerwünschter und teilweise sehr unangenehmer wenn nicht sogar gefährlicher Wirkungen - deswegen ist sie ja auch ein wenig in Verruf geraten. Die Tatsache, dass es sich dabei eigentlich um ein im menschlichen Körper produziertes Hormon handelt, hat in der Praxis Vorteile wie Nachteile.
Grundsätzlich ist nämlich Cortison extrem gut verträglich (denn der Körper kennt den Stoff ja und kann damit umgehen). Selbst hohe Dosierungen (z.B. das 100-1000-fache der üblicherweise angewandten Dosis!) werden gut vertragen, man kann sich damit praktisch nicht vergiften. Das gibt es bei keinem anderen - und vor allem bei keinem so wirkungsvollen - Medikament.
Ein Gift ist es also nicht!

Die Probleme beginnen erst bei längerfristiger Einnahme: dann kann es die Haut, die Augen, die Knochen angreifen, es kann die Mineralstoffe im Blut durcheinander bringen, kann andere Hormone (beispielsweise das Zuckerhormon Insulin) stören und damit etwa eine Zuckerkrankheit provozieren oder verschlechtern.
All diese Wirkungen hat auch das Hormon, z.B. wenn durch einen Nebennierenrinden-Tumor (hier wird der Stoff produziert) ein Übermaß gebildet wird.
Diese unerwünschten Begleiterscheinungen hängen von der Höhe der regelmäßig eingenommenen Dosis ab, von der Dauer der Einnahme und auch vom Einnahmezeitpunkt. Sie sind bei allen Cortisonpräparaten in Tabletten- und Spritzenform mehr oder weniger gleich, man kann also nicht viel durch einen Präparatewechsel erreichen. Es gibt hier nur 2 Ausnahmen:

Wenn man diese Erkenntnisse aber berücksichtigt, das Medikament gezielt nur dann einsetzt, wenn seine Vorteile bei weitem überwiegen, Kontrollen durchführt und vorbeugende Gegenmaßnahmen trifft, ist das Cortison ein sehr wertvolles und - wie gesagt - oft lebensrettendes Medikament.

Für den Atemwegskranken gibt es eine Lösung des Problems, die oben schon angedeutet wurde: die lokale Anwendung, in diesem Fall als Inhalation mittels eines Sprays oder Inhalationspulvers. Dieser Lösung ist in jedem Fall bei längerfristiger Behandlung der Vorzug zu geben.

Orale oder parenterale Cortisonpräparatesind dagegen in Notfallsituationen weit überlegen, als längerfristige Therapie aber nur unter ganz bestimmten Bedingungen zu verantworten.

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Letzte Aktualisierung 21.11.2010 … | … Autor der Seite © Dr. med. Michael Prittwitz